Die Sainte-Chapelle ist eine königliche gotische Kapelle, die innerhalb der mittelalterlichen Palastanlage auf der Île de la Cité errichtet wurde. König Ludwig IX. ließ sie erbauen, um seine Sammlung von Passionsreliquien zu beherbergen, darunter die vermeintliche Dornenkrone. Die obere Ebene beherbergt 1.113 Buntglasfenster, die den Raum in farbiges Licht tauchen – nahezu zwei Drittel des Glases stammen noch aus dem 13. Jahrhundert.
Der Bau begann nach 1238, die Weihe der Kapelle erfolgte am 26. April 1248. Das Bauwerk erhebt sich auf eine Höhe von 42,5 Metern und besteht aus zwei Ebenen mit völlig unterschiedlichen Bestimmungen: Die obere Kapelle war ausschließlich der königlichen Familie und ihren Gästen vorbehalten, während die untere Ebene den Höflingen und dem Palastpersonal diente. Ludwig IX. zahlte für die Reliquien selbst 135.000 Livres – mehr als das Dreifache der 40.000 Livres, die für den Bau und die gesamte Verglasung der Kapelle aufgewendet wurden.
Sie erklimmen die Wendeltreppe und betreten die Oberkapelle. Die Wände lösen sich in Glas auf. Fünfzehn hohe Lanzettfenster, jedes vom Boden bis zum Gewölbe reichend, hüllen den Raum in satte Rot- und Blautöne. Das Licht wandelt sich mit jedem vorüberziehenden Wolkenzug. Die steinernen Rippen scheinen zu schweben, und der schmale Innenraum verstärkt den Sog nach oben – Ihr Blick gleitet empor und wandert dann über die leuchtenden Bildfelder, die sich rings um den Raum entfalten.